Inge­borg-Bach­mann-Preis 2016

Gehofft hat­te ich auf den aus Isra­el stam­men­den Tomer Gar­di. Inter­es­sant war hier ins­be­son­de­re die Dis­kus­si­on über die Fra­ge, was „deutsch­spra­chig“ sei. Sehr schnell ver­rann­te sich die Jury in erstaun­lich alt­mo­di­sche und kon­ser­va­ti­ve Vor­stel­lun­gen, wie sich Lite­ra­tur anzu­hö­ren habe – und damit, wer berech­tigt ist, sie zu schrei­ben.

Die­se Ver­ir­run­gen blie­ben zum Glück sin­gu­lär. So hat Sharon Dodua Otoo den Preis hoch ver­dient – wer erzählt schon aus der Sicht eines Eis? Aber ihr Text geht tie­fer, er zeigt auf humor­vol­le Art die immer noch vor­herr­schen­den patri­ar­cha­len Struk­tu­ren in unse­rer Gesell­schaft. Eine Erzäh­lung als drin­gend not­wen­di­ger Spie­gel, in den wir schau­en, auf dass uns die Lust am Lachen ver­geht.

Ästhe­tisch her­aus­ra­gend war Julia Wolf. Auf intel­lek­tu­ell höchs­tem Niveau, sprach­lich fein zise­liert, dabei immer auch humor­voll, erzählt sie von einem alten Mann, der nach einer Kopf­ver­let­zung auf sein Leben, sei­ne Iden­ti­tät und sei­ne Sexua­li­tät zurück­schaut. Unter­schied­li­che Zeit- und Erzähl­ebe­nen flie­ßen inein­an­der, sodass man am Ende nicht mehr genau weiß, was Wirk­lich­keit und was Traum ist. Lei­der hat es sich die Jury hier etwas leicht gemacht und den Text zu wört­lich genom­men

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